Mittwoch, 11. Januar 2012

Mit 203 km/h am Moselabstieg "geblitzt"

Pressemitteilung vom 11.01.2012 - 13:25 Uhr

Saarbrücken / Perl. Am gestrigen Dienstagvormittag (10.01.2012) führte die Verkehrspolizeiinspektion (VPI) auf der BAB 8, in Höhe Perl, (Fahrtrichtung Luxemburg) eine Geschwindigkeitskontrolle am so genannten "Moselabstieg" durch. Dort gilt eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 100 km/h.

Die Bilanz:
Bei jedem siebten Fahrzeug wurde eine Geschwindigkeitsüberschreitung festgestellt. 130 Fahrzeugführer müssen ein Verwarnungsgeld zahlen. Gegen 100 Fahrer wird ein Bußgeldverfahren eingeleitet. 15 Fahrer waren so schnell, dass sie ihren Führerschein zwischen einem und drei Monaten abgeben müssen.

Spitzenreiter war ein Pkw-Fahrer, der den "Moselabstieg" mit 203 km/h befuhr. Ihn erwarten ein Bußgeld von 650 Euro, 4 Punkte sowie ein Fahrverbot von 3 Monaten.

Landespolizeidirektion Saarland
Pressestelle

Reallohnentwicklung im saarländischen Dienstleistungsbereich stagniert


Reallohnentwicklung im saarländischen Dienstleistungsbereich stagniert




Pressemitteilung vom 11.01.2012 - 12:30 Uhr

Die Reallöhne im Saarland sind gemessen an den Bruttomonatsverdiensten (einschließlich Sonderzahlungen) im dritten Quartal 2011 gegenüber dem Vorjahreswert um 1,1 Prozent gestiegen. Nach Angaben des Statistischen Amtes des Saarlandes verlief die Entwicklung in den einzelnen Wirtschaftsbereichen sehr unterschiedlich.

Die Reallöhne im Saarland sind gemessen an den Bruttomonatsverdiensten (einschließlich Sonderzahlungen) im dritten Quartal 2011 gegenüber dem Vorjahreswert um 1,1 Prozent gestiegen. Nach Angaben des Statistischen Amtes des Saarlandes verlief die Entwicklung in den einzelnen Wirtschaftsbereichen sehr unterschiedlich. Während die realen Verdienste der Vollzeitbeschäftigten im Produzierenden Gewerbe - auch infolge des wieder zunehmenden Umfangs der bezahlten Arbeitsstunden - im Schnitt um 2,7 Prozent gestiegen sind, verharrten sie im Dienstleistungsbereich auf dem Vorjahresniveau.

Betrachtet man die Entwicklung der realen Stundenverdienste (einschließlich Sonderzahlungen), so sind diese im Produzierenden Gewerbe um durchschnittlich 1,4 Prozent gestiegen, im Dienstleistungsgewerbe hingegen um 0,3 Prozent gesunken.

Die Verbraucherpreise lagen im dritten Quartal 2011 im Saarland um durchschnittlich 2,6 Prozent über dem Vorjahreswert.

Zu den Verlierern gehören nach Angaben der Statistiker vor allem die Bereiche, in denen der öffentliche Dienst tätig ist: So weist der Bereich “Erziehung und Unterricht“, der durch einen hohen Beamtenanteil geprägt ist, einen realen Rückgang der Bruttomonatsverdienste um 4,5 Prozent aus. Im Bereich “Öffentliche Verwaltung, Verteidigung und Sozialversicherung“ sanken die Reallöhne im Schnitt um 1,1 Prozent.

Überdurchschnittliche Reallohnzuwächse konnten das Baugewerbe (+ 5,4 %), der Maschinenbau (+ 4,6 %) und die Kfz-Hersteller (+ 4,2 %) verzeichnen.

Methodischer Hinweis: Die vorgenannten Daten beruhen auf den Ergebnissen der Vierteljährlichen Verdiensterhebung. Um die Entwicklung der Durchschnittsverdienste unbeeinflusst von Änderungen der Beschäftigtenstruktur ausweisen zu können und zugleich die reale Entwicklung unter Ausschaltung der allgemeinen Preissteigerungen sichtbar zu machen, berechnet das Statistische Amt einen so genannten Reallohnindex.


Statistisches Amt Saarland

Verantwortlich für den Inhalt:

Statistisches Amt Saarland

Sonntag, 8. Januar 2012

Operation Jamaika - Ein Gedankenspiel

Was um alles in der Welt hat Annegret Kramp-Karrenbauer (AKK) dazu bewogen Ihren Ministerpräsindentinnen-Stuhl zum jetzigen Zeitpunkt in den Ring zu werfen?
War es leichter die Macht abzugeben als die FDP weiterhin zu ertragen?
Hofft sie wirklich darauf, dass Heiko Maas ihr Angebot, die CDU weiter an der Macht zu halten, annimmt, obwohl es kein wirklich gutes Angebot ist?
Überlässt es AKK tatsächlich dem Zufall, ob sie weiterhin das Saarland regiert oder nicht?
Oder läuft das anderes?

Spinnen wir mal ein bisschen rum...

Hat nicht Angela Merkel auf Bundesebene das selbe Problem, wie es AKK an der Saar hatte?
De facto findet die Große Koalition in Berlin bereits statt. Angela Merkel braucht die SPD, um weiterhin auf Europaebene agieren zu können. Regierungspartner FDP ist da eher das 5. Rad am Wagen. Und dazu noch eins, das seit längerem gehörg eiert. Da bedarf es eigentlich nur eines kleinen Trittes, um das unnötige Anhängsel endgültig los zu werden.
Und so treffen sich die alten Kameraden Merkel und Steinmeier und überlegen mal so vor sich hin. Wahlen sind immer doof!
Wahlen in Strategien immer ein Unsicherheitsfaktor. Gerhard Schröder hat das seinerzeit am eigenen Leibe übelst erfahren müssen. Also: Wie bekommen wir die FDP aus der Regierung und die SPD in eine große Koalition ohne Wahlen?
Wir schmeißen die FDP aus der Regierung raus, weil sie nichts mehr auf die Kette bekommt und bieten dann der SPD eine Große Koalition an. So bleibt Merkel Kanzlerin und kann mit einer soliden Regierungsmehrheit weiter auf dem europäischen Feld herumtanzen. Und damit das richtig geschmeidig läuft holen wir zum großen Dolchstoß aus und zwar vom Saarland aus. Dort nämlich ist die CDU in der unseligen Jamaika-Koalition, die bei der Basis gar nicht gut ankommt. Aber, und das ist prima, die FDP im Saarland ist in dem gleichen desolaten Zustand wie die Bundes-FDP, möglicherweise noch schlimmer.
Der Tag des Dreikönigstreffens, eine Meldung die über 2 Stunden vor der Pressekonferenz verkündet, dass die Saar-CDU Jamaika wegen der FDP aufkündigt und damit genügend Zeit gibt, dass die Pressekonferenz auch bundesweit wahrgenommen wird. Auf Phoenix lief sie live im Rahmen der Berichterstattung über den FDP-Parteitag in Stuttgart. Und dann die Pressekonferenz auf der AKK der FDP Regierungsunfähigkeit bescheinigt. Übrigens auf doch sehr eigenartige Art. Normalerweise verlaufen solche Trennungen ohne größere Details und nach dem Motto: Wenn ich schon nichts Gutes über den Partner sagen kann, dann sag ich lieber gar nichts. Statt dessen geht AKK die FDP massiv an, unterstellt ihr Unzuverlässigkeit, rückt sie sogar in die Nähe Krimineller und spricht ihr die Fähigkeit ab, sich in absehbarer Zeit wieder auf die Reihe zu bekommen. Das mag ja alles stimmen, aber trennt man sich so, von einem Partner, wenn man ihm nicht schaden möchte? Genau das Gegenteil war der Fall. Nämlich ebenso wichtig wie das Ende der Koalition war es, der FDP in aller Öffentlichkeit eine klaffende Wunde beizubringen. Soweit so gut.

Aber wie bekommen wir überhaupt AKK dazu ihren Ministerpräsidentenposten dafür aufs Spiel zu setzen? Ganz einfach. Indem sie ihren Minsterpräsidentenposten gar nicht aufs Spiel setzt. Das sieht nur so aus. Denn darum kümmert sich Steinmeier hinter den Kulissen von Berlin aus. Er sorgt dafür, dass Heiko Maas das Angebot AKKs ohne Neuwahlen annimmt. Indem er ihm beispielsweise einen Ministerstuhl in Berlin anbietet, wenn die "Operation Jamaika" auch dort glatt und ohne Neuwahlen über die Bühne gegangen ist. Dazu müsse Maas aber im Saarland auf Neuwahlen verzichten. Nicht dass er nachher doch noch Ministerpräsident wird... als Oppositionsführer ist es doch einfacher nach Berlin zu wechseln, oder? Sobald Maas sein Ok gegeben hat, geht die Info an Merkel, die flugs AKK aktiviert. Der Tag X für die Jamaika-Koalition an der Saar kann starten. Und die FDP in Berlin erlebt in Saarbrücken ihr Pearl Harbor.

So werden am Saarland Fakten geschaffen, mit denen man in Berlin arbeiten kann. Denn bereits im Saarland habe sich ja schon gezeigt, wie unfähig die FDP sei, auf bundesebene sei das nicht anders. In Zeiten der Euro-Krise braucht Deutschland eine stabile Regierungsmehrheit usw. usf. 
Das Ende vom Lied: Die FDP ist überall draußen. In Berlin kuscheln CDU und SPD wieder miteinander und Merkel kann weiter auf Europaebene die Banken glücklich machen. Das Saarland währenddessen wird von einer Großen Koalition regiert bis zum Ende der Legislaturperiode, und dann wird alles wieder auf Null gesetzt. Die 2. Reihe der Saar-SPD kommt dann endlich mal zum Zuge, da Heiko Maas inzwischen Minister in Berlin ist, kann die SPD endlich einen neuen Ministerpräsidenten Kanditaten aufbauen. Wie gesagt, die 2. Reihe wartet da schon sehr lange!

Sollte Heiko Maas allerdings das Angebot von AKK auf eine gemeinsame Große Koalition an der Saar nicht annehmen und es im Saarland zu Neuwahlen kommen, was für die SPD vordergründig die beste Alternative wäre, dann ist die Theorie von der "Operation Jamaika" pure Spekulation gewesen.

Ein Gedankenspiel.

Wir werden sehen...


Randnnotizen:
P.S.: Mir kamen heute beinahe die Tränen, als ich bei SPIEGELonline lesen musste, dass Saar-FDP-Chef Luksic die Nachricht vom Ende der Jamaika-Koalition während der Geburt seiner Tochter im Kreißsaal bekam. Schlimm! Schlimm, dass Luksic im Kreißsaals sein Handy nicht abschaltet. Oder wurde hier der Dramatik wegen etwas... überhöht?

P.S.1: AKK hat im Interview des SR (Aktueller Bericht vom 7.1.) gesagt, dass sie am Donnerstag aus dem Urlaub zurückgekommen sei. Und dann gleich am Freitag Jamaika aufkündigen... Da war aber jemand schnell unterwegs. Respekt!

P.S.2: Und die Grünen? Hat Hubert Ulrich zumindest geahnt, warum er keinen Ministerposten in Jamaika wollte?

Update 18/01/12:
Heute werden die Minister entlassen
Entlassene Minister müssen sich keine Sorgen machen.

Siehe auch:
http://saar-nur.blogspot.com/2012/01/terminiert-zweites-sondierungsgesprach.html
http://saar-nur.blogspot.com/2012/01/terminiert-erstes-sondierungsgesprach.html
http://saar-nur.blogspot.com/2012/01/was-ist-da-heute-im-saarland-passiert.html



"Die Eulen sind nicht, was sie scheinen" (Dale Cooper, FBI)

Freitag, 6. Januar 2012

Was ist da heute im Saarland passiert?

Die Frage nach dem richtigen oder falschen Zeitpunkt


Die Kernfrage zu den heutigen Ereignissen um die geplatzte Jamaika-Koaltion an der Saar ist die Frage nach dem Zeitpunkt. Denn ohne (offensichtliche) Not hat AKK heute die Regierungskoalition an der Saar platzen lassen. Warum? Und warum jetzt? Während der Rösler-Rede in Stuttgart... Gehen wir davon aus, dass die Entwicklungen an der Saar mit Merkel abgesprochen war, was AKK auf der PK auch bestätigt hat.

Hypothese1: Die kleine Variante (vom falschen Zeitpunkt)
Möglicherweise haben saarländische Ermittlungsbehörden etwas neues gegen die Saar-FDP in der Hand, was am Montag oder Dienstag aufgepoppt wäre, so dass man die Koalition hätte beenden müssen. Ob dem so ist, wissen wir spätestens Anfang der kommenden Woche. Dann kam die Entscheidung in Absprache mit Merkel, trotz des FDP-Parteitags in Stuttgart... mit der Kröte, dass man der FDP dabei schadet.

Viel charmanter und eben auch Deckungsgleicher mit den Ereignissen ist...

Hopthese2: Die große Variante (vom richtigen Zeitpunkt)
Der Zeitpunkt war sehr exakt gewählt, um die FDP - auch bundesweit - endgültig zu demontieren.
Es ist unüblich, dass zuerst die Bombe hochgeht - sprich: die News, dass Jamaika an der Saar am Ende ist und dass die FDP daran schuld ist - und erst 2,5 Stunden später die dazu passende Pressekonferenz stattfindet. Normalerweise geben die Urheber solcher Entscheidungen die Meldung gerne exklusiv auf ebensolchen Pressekonferenzen heraus (dazu gibt es z.B. Sperrfristen). Es sei denn, man möchte sicher gehen, dass die PK bundesweit wahrgenommen wird, z.B. Live über Phoenix. 2,5 Stunden Vorlauf sind da üppig kalkuliert und die Rechnung ging ja auch auf. Dann allerdings ist der Zeitpunkt, dies just während des Dreikönigstreffens der FDP zu starten, der bestmögliche. Denn man hat der FDP bereits die Beine weggezogen, bevor sie überhaupt wieder stehen kann. Die FDP hat so überhaupt keine Chance mehr, sich zu fassen. Niebel: "Eine solche Entscheidung hätte auch früher oder später getroffen werden können!" Wurde sie aber nicht. Dass nebenher die unselige Wulff-Diskussion für ein paar Tage in der Versenkung verschwindet, kann von der Union nur als angenehm empfunden werden. Angenehm für die Saar-Union ist es auch, dass man die Grünen quasi nebenbei loswird, die ungewollte Jamaika-Koalition so beendet werden kann, ohne größeren Schaden zu nehmen. Und das ganze dann auch noch Schuld der FDP ist, die bis dato so geschwächt ist, dass man ihr die Kreuzigung, den Mord an JFK und den 11. September unterjubeln könnte, ohne dass sie sich dagegen zu wehren im Stande wäre. Umso angenehmer ist es da, dass der FDP an der Saar die Regierungsunfähigkeit attestiert wurde. Beim ersten Mal da tut's noch weh... Wie weit ist da der Schritt, dies auch auf Bundesebene nachzuschieben..? Zumal der Neustart ins Jahr 2012 jetzt auch noch so übel gescheitert ist. Und das alles mit Einverständnis und Wissen von Merkel... Wir werden sehen, wie es weiter geht. 


Noch ein Wort zur Saar-SPD:
Heiko Maas müsste sich die Hose mit der Kneifzange zumachen, wenn er auf das Angebot der CDU eingehen würde. Was hat denn die CDU anzubieten, jetzt da die Fakten geschaffen sind? Eine große Koalition mit der SPD als Sozius. Das kann die SPD auch bei Neuwahlen haben. Im schlechtesten Falle. Viel mehr wäre die SPD damit gut beraten, wenn sie es auf Neuwahlen ankommen lassen würde. Die Argumente dafür sind vielfältig und der Volkesseele leicht zu vermitteln. Eine große Koalition sollte - vor allem nach dem Zustandekommen und dem Scheitern der jüngsten Landesregierung - demokratisch legitimiert werden. Das bringt Sympathiepunkte und im besten Falle vielleicht sogar den MP für Heiko Maas.
Was soll denn groß passieren. Die FDP findet auf Landesebene nicht mehr statt. Die Grünen liegen im Saarland, Hubert sei Dank, weit hinter dem Bundesdurchschnitt, so dass alle denkbaren Konstellationen für die SPD nur eine Verbesserung sein können: Große Koalition (mit oder ohne Heiko Maas als MP) oder rot-rot. Also, warum sollte Heiko Maas auf das doch eher unattraktive Angebot der CDU eingehen? Warum?

Tut er es, wider jegliche Vernunft doch, dann aufgrund höherer Zielvorgaben aus Berlin, wo sich Merkel und Steinmeier vielleicht schon auf Sex mit dem/der Ex freuen...

Spätestens nächste Woche sind wir klüger!
 


Freitag, 23. Dezember 2011

Der himmlische Weihnachtsaussteiger

Eine Weihnachtsgeschichte aus  dem vergangenen Jahrhundert (1998) von Jörg Laux.
Die Original-Zeichnung aus dem Jahr 1998 stammt aus der Feder des ehrenwerten Jörg Siersdorfer, Erfinder der Groben Bratwurst und der E-Gitarre am Stiel.

Der alten Zeiten wege!


Das waren noch Zeiten, als Kinderwünsche noch in Socken passten...  Zeichnung: Jörg Siersdorfer


Nikolaus Weihnacht sitzt an seinem Schreibtisch. Draußen ziehen graue Nebelschwaden unter den schwarzen, schneeschweren Nachmittagswolken dahin. Da ist sie wieder, die besinnliche Zeit. Schon tummeln sich die ersten Bittbriefe in seiner Mailbox. „Advent, Advent!" , murmelt Nikolaus Weihnacht in seinen weißen Bart. Den muss er tragen, so will es das Gesetz, obwohl ihn die Haare auf der Tastatur seines Computers regelmäßig zur Weißglut bringen. Dann zieht er ihn aus und legt ihn auf den Schreibtisch.

Neulich hatte er zum nachmittäglichen Gloriasingen beinahe vergessen die Bartperücke anzulegen. Niemand weiß, dass er keinen echten Bart mehr hat. Im Sack war eines Tages ein Rasierapparat übrig geblieben, und da passierte es eben. Wenigstens muss er im Büro nicht die warme, rote Mütze tragen und den dicken Mantel. Draußen fallen fast unmerklich die ersten Schneeflocken vom Himmel und tauen sofort auf der Fensterbank. Nikolaus lehnt sich zurück, zündet sich seine Pfeife an, legt die Füße auf den Schreibtisch und betrachtet die tanzenden Flocken. Im Geiste gleitet er in eine andere, bessere Zeit. In eine Zeit, die nach Lebkuchen roch und Tannennadeln.
 
Damals passten die Wünsche der Kinder noch in Socken. Sein Goldenes Buch war keine Datei auf einer Festplatte. Damals gab es auch die Rute noch. Aber seit Ruprecht Eisenbeiß, sein Knecht, vor fünf Jahren gefeuert wurde, weil eine Elterninitiative seine Absetzung gerichtlich durchgesetzt hatte - „Die Methoden des Ruprecht Eisenbeiß, genannt Knecht Ruprecht, passen nicht mehr in die modernen Kindererziehungsschemata" , stand in der Urteilsbegründung - war es nicht mehr dasselbe. Ruprecht lässt noch dann und wann von sich hören, dann treffen sie sich und trinken sich im Gedenken an die Gute Alte Zeit die Nasen rot. Er arbeitet jetzt als Rausschmeißer irgendwo in einer Diskothek in der Zwischenwelt.
 
Seit Ruprecht weg ist, ist es einsam geworden, in der Stube 6.12. der himmlischen Verwaltung. Zu Besuch kommt nur noch manchmal vom Osterhasen. Seit sie seine Ostereierfabrik nach Taiwan verlegt haben, hat auch er viel Zeit. Nikolaus Weihnacht starrt jetzt oft wehleidig hinaus auf den Parkplatz vor dem himmlischen Verwaltungsgebäude, wo sein neuer, roter LKW steht. Tierschützer hatten seine Rentiere im vergangenen Jahr in einer Nacht- und Nebel-Aktion befreit, nachdem eines von einem Düsenjäger gestreift und übel verletzt worden war. Da hatte die Verwaltung die Gelegenheit genutzt, „einige Neuerungen" , wie sie es nennt, einzuführen. Seinen alten Rentierschlitten haben sie für 4,6 Millionen Mark an das Deutsche Museum verkauft. Dort steht er direkt zwischen dem Sandsack vom Sandmann und der leeren Wegwerfbüchse der Pandora. Das Jingle-Bells-Sound-Signal seines PCs reißt Nikolaus aus seinen Tagträumen. Eine Anzeige auf dem Schirm verkündet, dass nun der 100000. Wunsch nach einer der neuen Monsterman-Action-Figuren eingegangen ist und sich damit die Rabattkonditionen beim Zentralvertrieb um vier Prozent verbessert haben.

Nikolaus Weihnacht klopft seine Pfeife aus, nimmt sich ein Formular aus dem Regal an der Wand und wirft sich den Mantel über. Den Bart und die Mütze lässt er zurück, als er das Zimmer verlässt. Seine Stiefel quietschen auf dem Kunststoffnoppen-Industrieboden im Flur und erzeugen ein kaltes Echo. Er trottet an den grauen Bürotüren vorbei, die so fest verschlossen sind, wie die eines Adventskalenders im Juni. Das hier war früher die Namenstag-Etage. Er erreicht die leere Treppe und folgt ihr hinunter bis ins Foyer. Dort setzt er sich an einen Tisch und füllt das Formular aus, das er mitgenommen hat. Vor der Schiebetür des Foyers sitzt ein pummeliger Trompetenengel nur mit einem Boxershort bekleidet und spielt einen Bebop. Vor ihm liegt der kleine goldene Helm. Irgendwer hat ein paar Münzen hinein geworfen. Beim Rausgehen steckt Nikolaus das Formular in den Briefkasten neben der Pförtnerkabine und wirft seine Essensmarken für die Kantine in den Helm des kleinen Engels, der sich mit einer Triole auf seiner Trompete bedankt. Die Digitalanzeige über dem Parkplatztor zeigt den Dreizehnten Dezember. Nikolaus überquert den großen, halb verschneiten Parkplatz, vorbei am olivgrünen Jeep des Osterhasen und dem neuen Motorrad von Sankt Martin. Schneematsch schmatzt unter seinen Füßen. Vor der Himmelspforte warten die blauen Wolkentaxis, er pfeift sich eins herbei. Die Hecktür öffnet sich, er lässt sich auf die Rückbank fallen. „Nach Süden - Warp neun" , grummelt er den Taxifahrer an, der seinen bartlosen Fahrgast nicht erkennt. Er tippt statt dessen an seine Mütze und gibt Gas. Durch das Rückfenster sieht Nikolaus das Verwaltungsgebäude kleiner und kleiner werden. Schließlich saust das Taxi durch die mächtige Himmelspforte, wo ihm ein paar Lehrengel in silbernen Gewändern und mit orangen Stützballons an den Flügeln fröhlich zuwinken. Er wird seinen Namen ändern und im sonnigen Süden untertauchen. Das hier ist schon viel zu lange nicht mehr sein Ding. Vielleicht macht er eine kleine Bar auf und erfindet neue Cocktails, wer weiß? Vor ihm tun sich ungeahnte Möglichkeiten auf und Nikolaus Weihnacht beginnt zu lächeln. Niemand, außer vielleicht der Osterhase, wird ihn vermissen.

Ho Ho Ho!

Ende?






Montag, 19. Dezember 2011

Wortschatz update: Wulff (mit Downloadlink des Fragenkatalogs)

Wulff, der; -s, -e <nieders.> nichtssagender, glitschig schwarzer Lauwarmwasserzierfisch. Lebt zinsgünstig in Symbiose mit Kredithaien, vornehmlich im Schutz von Austeilbanken mit deren Hilfe er den so genannten Wulffsbau errichtet.
Häufig auch in Gesellschaft von Wirtschaftskrimellen und Nuscheln anzutreffen.
Umgibt sich gerne mit exotischen Lebensformen zum Zwecke der Tarnung.
Sondert bei Gefahr farb-, geruch- und bedeutungsloses Sekret ab, das so genannte Gefasel.
Hauptnahrung: Lebt als Schmarotzer auf Kosten des großen, plumpen Wahltölpels.
Der Wulff ist trotz seines moderaten Erscheinungsbildes ungenießbar. Der Verzehr führt zu Ekel und Übelkeit, in seltenen Fällen unkontrollierten Wutanfälle, Schreikrämpfen und körperlichen Schmerzen.

  • sich einen Wulff laufen: Bei korruptem Geklüngel erwischt werden und so lange herumwulffen (siehe dort), bis man jegliche Glaubwürdigkeit verloren hat.
  • Wulffschaft: unter totalem Realitätsverlust und mit massiven Wahrnehmungsproblemen ein Amt aussitzen, unabhängig von Ansehen, Würde, Ehre, gutem Geschmack und jenseits jeglichen Schamgefühls und der Fähigkeit Peinlichkeit zu empfinden.
  • herumwulffen: [auch ugs. rumwulffen] nur zugeben, was bereits bekannt ist (Synonym: sich verguttenbergen
  •  Wulff-Konditionen: Kredit-Zins zwischen 0,9 und 2,1%
  • anwulffen: Zu Wulff-Konditionen geliehenes Geld geschickt anlegen. [Bsp. Geld anwulffen].
  • Omega-Wulff: Rudeltier, das im Ansehen ganz unten steht [Bsp. Mit dem Wulff [auf eine Mailbox] heulen].
[aus Hullihullis Enzyklopedia Galaktika, Paris/Saarlouis/Bagdad, 2011. Kapitel 23: Tiere und andere Lebensformen der unmäßigen Zone, (c) jlx 2011 / www.saar-nur.blogspot.com]  

Update 19/01/2012
Hier gehts zum pdf-download für den Fragenkatalog der Frankfurter Rundschau.

Freitag, 9. Dezember 2011

Studentin wird Opfer einer versuchten Vergewaltigung


 

Pressemitteilung vom 09.12.2011 - 15:55 Uhr

Saarbrücken. In einem Fall einer versuchten Vergewaltigung in Saarbrücken sucht die Polizei nach Zeugen.

Eine junge Frau aus dem nördlichen Saarland hatte am gestrigen Nachmittag (08.12.2011) gerade ihr Auto, einen weißen Kleinwagen der Marke Mazda mit WND-Kennzeichen, in einem Parkhaus auf dem Universitätsgelände in Saarbrücken bestiegen, als der unbekannte Mann zu ihr ins Auto stieg.
Unter Vorhalt einer Waffe lotste der Täter sein 20-jähriges Opfer zunächst auf bisher unbekannter Strecke in ein Waldgelände in Güdingen. Dort versuchte der Mann, die Studentin zu vergewaltigen. Die Frau konnte sich jedoch befreien und Anwohner auf sich aufmerksam zu machen. Der Täter flüchtete daraufhin.

Der Mann wird wie folgt beschrieben: ca. 23 bis 30 Jahre alt, 170 cm bis 175 cm groß, schlank, mit kurzen, glatten Haaren.

In diesem Zusammenhang sucht die Polizei nach einem älteren Spaziergängerpaar, das sich dem weißen Kleinwagen genähert und in diesen hineingeschaut hatte. Die beiden Personen kommen als Zeugen in Betracht und werden gebeten, sich bei der Polizei unter der Telefonnummer 0681 / 962 – 2933 zu melden.
 
Landespolizeidirektion Saarland
Pressestelle